Tarifvertrag für Klinikärzte: Welcher gilt für mich?
Wer als Ärztin oder Arzt in der Klinik arbeitet, stolpert früher oder später über die Frage: Nach welchem Tarifvertrag werde ich eigentlich bezahlt? Die Antwort ist selten offensichtlich, weil die Tariflandschaft in Deutschland nach Trägerschaft zersplittert ist. Kommunales Haus, Uniklinik, privater Konzern, kirchlicher Träger: jeder Topf hat sein eigenes Regelwerk und seine eigene Entgelttabelle.
Diese Seite ist die Landkarte dazu. Sie ordnet ein, welche Tarifverträge es gibt, wer für wen verhandelt und wo dein Haus vermutlich hineinfällt. In die Zahlen im Detail gehen wir hier bewusst nicht, dafür gibt es die verlinkten Unterseiten. Ziel ist, dass du nach dem Lesen weißt, wo du nachschauen musst.
Die Tariflandschaft im Überblick
Grob gibt es fünf Kategorien, in die dein Arbeitsverhältnis fallen kann.
TV-Ärzte/VKA: der Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen und kommunal getragenen Krankenhäusern, also Häuser, deren Träger Mitglied der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) ist. Das ist einer der häufigsten Fälle. Details und die volle Entgelttabelle stehen auf unserem Hub TV-Ärzte/VKA.
TV-Ärzte/TdL: gilt an Landeskliniken und Universitätskliniken, deren Arbeitgeber in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) organisiert sind. Eigenständige Tabelle, teils andere Konditionen als VKA. Mehr dazu auf TV-Ärzte Uniklinik.
Konzern-Haustarifverträge: private Klinikkonzerne wie Helios, Sana oder Asklepios haben eigene Haustarifverträge. Die orientieren sich an den TV-Ärzte, haben aber eigene Entgelttabellen und Zulagen. Nicht identisch mit VKA oder TdL.
Kirchliche Träger (Caritas, Diakonie): eigenes Regelwerk, meist über die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR). Das ist kein klassischer Tarifvertrag im Sinne des Tarifvertragsgesetzes, sondern der kirchliche "Dritte Weg". Struktur und konkrete Beträge der AVR nennt der jeweilige Träger. Belastbare Euro-Beträge sind öffentlich nicht sauber verifiziert, deshalb lassen wir sie hier weg.
Außertariflich (AT): bei MVZs, kleineren Privatkliniken oder auf Führungsebene wird individuell verhandelt, ohne Bindung an eine Tabelle.
Wer verhandelt das eigentlich
Für die meisten dieser Träger sitzt auf Arbeitnehmerseite der Marburger Bund am Tisch, die Gewerkschaft speziell für angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte. Der Marburger Bund verhandelt sowohl den TV-Ärzte/VKA als auch den TV-Ärzte/TdL und schließt mit den Konzernen die jeweiligen Haustarifverträge ab. Ausnahme sind die kirchlichen AVR, dort gibt es keinen klassischen Tarifvertrag und damit auch keine Tarifverhandlung im üblichen Sinn.
Was die Gewerkschaft genau macht, wie du Mitglied wirst und was das bringt, steht auf unserer Seite Marburger Bund.
Kommunal oder Land: VKA gegen TdL
Die beiden großen öffentlichen Töpfe sind VKA und TdL, und die verwechselt man leicht. Faustregel: Stadt- und Kreiskrankenhäuser laufen meist über die VKA, Unikliniken und Landeskrankenhäuser über die TdL.
Der Unterschied ist nicht nur formal. Die Tabellen sind eigenständig, und auch bei den Rahmenbedingungen gibt es Abweichungen, etwa bei der Wochenarbeitszeit. Beide kennen dieselbe Grundstruktur aus vier Entgeltgruppen, aber die Euro-Beträge und Details musst du getrennt nachschlagen. Für den kommunalen Bereich gilt der Hub TV-Ärzte/VKA, für Uni und Land die Seite TV-Ärzte Uniklinik.
Konzernkliniken: eigene Haustarife
Arbeitest du bei einem privaten Konzern, gilt in der Regel nicht der TV-Ärzte, sondern der Haustarifvertrag des Konzerns.
Bei Helios ist das ein eigener Tarifvertrag mit eigener Systematik. Was drinsteht und wie er sich zum TV-Ärzte verhält, steht auf Helios Tarifvertrag. Für Asklepios ist die öffentliche Datenlage deutlich dünner, wir tragen zusammen, was belastbar ist, auf Asklepios Gehaltstabelle. Sana hat ebenfalls einen Haustarif, dazu gibt es bei uns bisher keine eigene Detailseite.
Wichtig: Ein Haustarif kann besser oder schlechter liegen als der kommunale Tarif, das lässt sich nicht pauschal sagen. Vergleichen lohnt sich, gerade beim Wechsel.
MVZ und außertariflich
In MVZs gibt es meist gar keinen Tarifvertrag. Träger sind oft private Betreiber oder Konzerne, die nicht tarifgebunden sind, also wird das Gehalt individuell im Arbeitsvertrag festgelegt. Deshalb existiert keine einheitliche MVZ-Tabelle, an der du dich orientieren könntest. Was das für deine Verhandlung bedeutet und welche Bandbreiten realistisch sind, haben wir auf MVZ Gehaltstabelle gesammelt.
Dasselbe Prinzip gilt für außertarifliche Verträge auf Führungsebene: kein Automatismus, keine Stufen, alles Verhandlungssache.
Entgeltgruppen als gemeinsamer Nenner
Bei aller Zersplitterung gibt es eine Struktur, die fast alle TV-Ärzte-Varianten teilen: vier Entgeltgruppen entlang der Karrierestufe.
- EG I / Ä1: Assistenzarzt/-ärztin (in Weiterbildung)
- EG II / Ä2: Facharzt/-ärztin
- EG III / Ä3: Oberarzt/-ärztin
- EG IV / Ä4: leitende(r) Oberarzt/-ärztin bzw. ständige Chefarztvertretung
Innerhalb jeder Gruppe steigst du mit Berufserfahrung automatisch in Stufen, das Gehalt wächst also auch ohne Beförderung. Zur Einordnung der Größenordnung: Der TV-Ärzte/VKA reicht von rund 5.722 Euro (EG I, Stufe 1) bis rund 11.923 Euro (EG IV, höchste Stufe) monatlich brutto bei 40 Wochenstunden (Quelle: Marburger Bund, gültig 01.06. bis 31.12.2026). Einzelwerte vertiefen wir hier nicht, die vollständige Tabelle steht auf dem VKA-Hub.
Speziell für die Oberarzt-Ebene und den Vergleich zwischen den Trägern lohnt sich Tarifvertrag Oberarzt, dort schauen wir uns Ä3 und Ä4 genauer an.
FAQ
Was ist ein Tarifvertrag genau?
Eine kollektive Vereinbarung zwischen einer Gewerkschaft (hier meist Marburger Bund) und einem Arbeitgeber oder Arbeitgeberverband über Gehalt, Arbeitszeit und weitere Bedingungen. Er ersetzt die individuelle Aushandlung dieser Punkte.
Gilt der Tarifvertrag auch ohne Marburger-Bund-Mitgliedschaft?
Formal gilt ein Tarifvertrag unmittelbar nur zwischen tarifgebundenen Parteien, also Gewerkschaftsmitglied und tarifgebundenem Arbeitgeber. In der Praxis nehmen die meisten Arbeitsverträge den Tarifvertrag "in seiner jeweils gültigen Fassung" per Bezugnahmeklausel in Bezug, wodurch er faktisch für alle im Haus gilt. Das hängt aber vom konkreten Vertrag ab, im Einzelfall den eigenen Arbeitsvertrag lesen.
Was ist der Unterschied zwischen VKA und TdL?
VKA sind die kommunalen Arbeitgeber (Stadt- und Kreiskliniken), TdL die Länder (Uni- und Landeskliniken). Gleiche Grundstruktur, aber getrennte Tabellen und teils andere Arbeitszeiten.
Was bedeutet außertariflich?
Kein Tarifvertrag greift, das Gehalt wird individuell verhandelt. Üblich bei MVZs, kleinen Privatkliniken und auf Führungsebene.
Wo finde ich die aktuelle Entgelttabelle?
Für den kommunalen Bereich auf unserem Hub TV-Ärzte/VKA, für Uni und Land auf TV-Ärzte Uniklinik. Die verbindliche Quelle ist immer der Marburger Bund bzw. der aktuelle Tarifvertrag selbst.
Mein Haus gehört zu einem Konzern, was gilt dann?
Vermutlich ein Haustarifvertrag, nicht der TV-Ärzte. Schau auf die passende Konzernseite (Helios Tarifvertrag, Asklepios Gehaltstabelle) oder frag die Personalabteilung, welcher Tarif im Arbeitsvertrag referenziert ist.
Stand: Juli 2026.
Keine Rechts- oder Steuerberatung. Tarifstände ändern sich, im Zweifel Marburger Bund oder den aktuellen Tarifvertrag prüfen.