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MVZ Gehaltstabelle: Warum es sie nicht gibt und wie du dein Gehalt trotzdem einordnest

Wer nach einer "MVZ Gehaltstabelle" sucht, will eine klare Zahl pro Erfahrungsstufe, so wie im Tarifvertrag. Diese Tabelle gibt es nicht. Es existiert kein bundesweit einheitlicher Tarif für Ärztinnen und Ärzte in Medizinischen Versorgungszentren, weil MVZs von sehr unterschiedlichen Trägern betrieben werden und entsprechend unterschiedlich vergüten. Statt einer erfundenen Tabelle bekommst du hier eine ehrliche Erklärung, welche Faktoren dein Gehalt bestimmen, und wie du ein konkretes Angebot einschätzt und verhandelst.

Was ein MVZ ist und warum die Trägerschaft entscheidet

Ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) ist eine ärztlich geleitete ambulante Einrichtung, in der angestellte Ärztinnen und Ärzte arbeiten, anders als in der klassischen niedergelassenen Einzelpraxis. Ein MVZ kann fachgleich oder fachübergreifend sein. Betrieben werden MVZs von ganz unterschiedlichen Trägern: Krankenhäusern und Klinikkonzernen, Ärztegenossenschaften, Kommunen, privaten Investoren (auch Private Equity, seit einigen Jahren zunehmend im Fokus der Gesundheitspolitik) und in Ausnahmefällen Kassenärztlichen Vereinigungen.

Genau diese Vielfalt ist der Grund für die fehlende einheitliche Tarifbindung. Ein MVZ, das zu einem kommunalen Krankenhaus gehört, kann sich am TV-Ärzte/VKA orientieren oder ihn sogar anwenden. Ein MVZ eines privaten Investors verhandelt in aller Regel komplett außertariflich (AT), individuell mit jedem Arzt. Die Trägerschaft ist deshalb die erste Frage, die du im Bewerbungsgespräch klären solltest.

Die Faktoren, die dein MVZ-Gehalt bestimmen

Ohne Tabelle zählen die einzelnen Stellschrauben umso mehr:

  • Fachrichtung: Je nach Fach und Leistungsspektrum kann die Vergütung unterschiedlich ausfallen. Verlässliche, belegte Rangfolgen zwischen den Fächern gibt es hier nicht, entscheidend ist das konkrete Angebot.
  • Region: Ballungsraum gegen ländlich. Der Zusammenhang ist nicht eindeutig, ländliche Regionen zahlen wegen Ärztemangel teils Zulagen.
  • Berufserfahrung: Approbationsdauer und Facharztstatus wirken ähnlich wie die Erfahrungsstufen im Tarif.
  • Umsatzbeteiligung: In MVZs verbreiteter als im Krankenhaus, oft als Kombination aus Fixum plus umsatzabhängiger Komponente.
  • Eigentümerstruktur: Klinik-Träger-MVZs liegen oft näher am TV-Ärzte-Niveau, Investoren-MVZs sind variabler, teils höher, teils mit anderen Bedingungen wie höherem Patientenzahl-Druck.

Fixum plus umsatzabhängige Komponente

Viele MVZ-Verträge kombinieren ein festes Grundgehalt (Fixum) mit einem variablen Anteil, der sich am erwirtschafteten Umsatz orientiert. Das kann attraktiv sein, birgt aber Fallstricke. Prüfe drei Punkte genau. Erstens die Bemessungsgrundlage: Zählt der Bruttoumsatz, der Deckungsbeitrag oder ein anderer Wert, und welche Kosten werden vorher abgezogen? Zweitens die Mindestgarantie: Gibt es einen garantierten Fixanteil, der auch in schwachen Monaten bleibt? Drittens die Abrechnungsdetails: Wie transparent ist die Berechnung, und kannst du sie nachvollziehen? Ein hoher variabler Anteil verlagert unternehmerisches Risiko auf dich, ohne dass du die Rahmenbedingungen (Terminvergabe, Fallmix) steuerst.

Wie du ein MVZ-Angebot einordnest

Weil eine MVZ-Tabelle fehlt, brauchst du einen Referenzpunkt. Nimm die Werte des TV-Ärzte/VKA oder TdL deiner eigenen Erfahrungsstufe als Vergleich, nicht als Garantie. Zur Einordnung: Der TV-Ärzte/VKA liegt aktuell für EG I (Assistenzarzt) bei 5.722,05 bis 7.355,29 Euro und für EG II (Facharzt) bei 7.552,19 bis 9.698,91 Euro (Quelle: Marburger Bund, gültig 01.06. bis 31.12.2026). Diese Zahlen sind kein MVZ-Tarif. Sie helfen dir aber zu beurteilen, ob ein Angebot über, auf oder unter dem tariflichen Krankenhausniveau liegt. Vergleiche dabei das gesamte Paket, also Fixum plus realistisch erwartbare Umsatzbeteiligung, nicht nur die eine große Zahl im Gespräch.

Verhandlungstipps für MVZ-Stellen

Ohne Tarif schützt dich niemand automatisch, dein Verhandlungsgeschick zählt mehr als im tarifgebundenen Krankenhaus. Geh mit einem konkreten Referenzwert deiner Erfahrungsstufe ins Gespräch (siehe oben). Lass dir die Umsatzkomponente vorrechnen, idealerweise anhand realer Zahlen der Stelle aus dem Vorjahr. Frage nach der Mindestgarantie und lass sie schriftlich fixieren. Kläre Arbeitszeit, Bereitschaft und Nebentätigkeit, denn ein hohes Gehalt bei offener Stundenzahl ist wenig wert. Und prüfe Fortbildungsbudget, Freistellung und die Regelung zur Fortbildungszeit.

FAQ

Gilt für MVZ-Ärzte ein Tarifvertrag?
Nicht automatisch. Nur wenn der Träger tarifgebunden ist oder den Tarif freiwillig anwendet, etwa bei einem Klinik-Träger-MVZ. Investoren-MVZs vergüten meist außertariflich.

Warum verdienen MVZ-Ärzte teils mehr, teils weniger als im Krankenhaus?
Weil frei verhandelt wird. Fachrichtung, Region, Umsatzbeteiligung und Trägerstruktur streuen das Ergebnis nach oben und nach unten.

Was ist eine Umsatzbeteiligung?
Ein variabler Gehaltsanteil, der sich am erwirtschafteten Umsatz orientiert, meist zusätzlich zu einem festen Fixum. Entscheidend sind Bemessungsgrundlage, Mindestgarantie und nachvollziehbare Abrechnung.

Worauf sollte ich im MVZ-Arbeitsvertrag besonders achten?
Auf die Höhe und Garantie des Fixums, die genaue Berechnung der variablen Komponente, die Arbeitszeitregelung und die Fortbildung.

Spielt die Eigentümerstruktur eine Rolle?
Ja. MVZs in Trägerschaft von Finanzinvestoren stehen gesundheitspolitisch in der Diskussion (Renditeorientierung gegen Versorgungsauftrag), was sich auf Arbeitsbedingungen auswirken kann.

Stand: Juli 2026.
Keine Rechts- oder Steuerberatung. Tarifstände ändern sich, im Zweifel Marburger Bund oder den aktuellen Tarifvertrag prüfen.

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